 ##  [Gleitender Mittelwert Typ–Token-Verhältnis](/de/node/70339) 

 Definition

Eine Maßzahl für lexikalische Diversität, berechnet durch Verschieben eines festgrößigen Token‑Fensters über einen Text, Ermitteln des Type–Token‑Verhältnisses (einzigartige Typen geteilt durch Tokens) in jedem Fenster und Ausgeben des Durchschnitts (oder einer Zeitreihe) dieser lokalen Verhältnisse; konzipiert, um die Sensitivität des einfachen TTR gegenüber der Gesamtlänge des Textes zu verringern und lokale Variation sichtbar zu machen.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Das Mitteln lokaler TTR‑Werte über überlappende Fenster stabilisiert die Schätzung der lexikalischen Diversität, indem der Einfluss extremer Verzerrungen durch sehr kurze oder sehr lange Texte abgeschwächt und verschiedene Textpositionen beprobt werden, sodass die Maßzahl die typische Wortvielfalt auf der gewählten Skala besser widerspiegelt.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario: Bei einem 10.000‑Token‑Roman wählt ein Forscher ein gleitendes Fenster von 500 Tokens mit Schrittweite 100, berechnet den TTR für jedes Fenster (einzigartige Typen ÷ 500) und bildet den Durchschnitt dieser TTRs, um MATTR zu erhalten. Erkennung: MATTR liefert einen Wert, der weniger durch die Gesamtlänge oder ein ungewöhnlich lexikalisches bzw. repetitives Kapitel beeinflusst wird als ein einzelner Dokument‑TTR.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Die Anwendung von MATTR mit einer unangemessen großen Fenstergröße gleich der Dokumentlänge reduziert es auf den gewöhnlichen TTR; eine zu kleine Fenstergröße erhöht die Varianz und kann satzbezogene Eigenheiten widerspiegeln. Ebenso führt das Mittel über heterogene Genres oder ohne normalisierte Tokenisierung zu irreführenden Vergleichen.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Richtig parametriert erlaubt MATTR stabilere Vergleiche der lexikalischen Diversität zwischen Texten unterschiedlicher Länge und innerer Struktur und unterstützt stilistische Analysen, Lesbarkeitsbewertungen und NLP‑Preprocessing; die Ergebnisse hängen jedoch kausal von Fenstergröße, Schrittweite, Tokenisierung sowie Lemmatierung oder Kleinschreibung ab.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Bei extrem kurzen Texten (kürzer als das Fenster) oder wenn das Fenster dem gesamten Dokument entspricht, fällt MATTR mit dem gewöhnlichen TTR zusammen oder ist nicht definiert. In Korpora mit starken thematischen Brüchen kann das Mittel bedeutende lokale Vokabularänderungen verschleiern, die eine fensterweise Zeitreihe sichtbar machen würde.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Klar innerhalb: tokenisierter Prosa‑Text analysiert mit einer festen numerischen Fenstergröße und konsistenter Tokenisierung. Grenzfall: Vergleich von MATTRs mit verschiedenen Fenstergrößen oder Tokenisierungen — die Interpretation hängt von diesen Parametern ab. Klar außerhalb: Maße für lexikalische Reichweite ohne gleitende Fenster (z. B. Guiraud’s R) oder Frequenzspektrum‑Zusammenfassungen, die lokale TTRs nicht mitteln.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Fenstergröße und Schrittweite erzeugen einen Zielkonflikt zwischen Stabilität (größere Fenster, mehr Überlappung) und Sensitivität für lokale Variation (kleinere Fenster); das Bedürfnis nach Vergleichbarkeit zwischen Texten steht im Spannungsfeld zur Bewahrung intra‑textueller Variation.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

MATTR ist ein pragmatischer Kompromiss zwischen einzelnen TTR‑Werten (stark längeabhängig) und rein lokalen Analysen: Durch kontrollierte lokale Stichproben liefert es ein stabileres Indiz für lexikalische Diversität auf einer gewählten Beobachtungsskala, doch seine Deutbarkeit setzt die explizite Angabe der Fenster‑ und Tokenisierungsparameter voraus.