 ##  [Multiple Realisierbarkeit](/de/node/71661) 

 Definition

Die These, dass eine Eigenschaft, ein Zustand oder eine Funktion höherer Ebene durch viele verschiedene niederstufige physische, biologische oder materielle Konfigurationen realisiert werden kann, so dass dieselbe Beschreibung höherer Ebene trotz unterschiedlicher Mikrostruktur gilt.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Wenn eine Eigenschaft mehrfach realisierbar ist, können Generalisierungen höherer Ebene unabhängig von einer einzigen mikrophysikalischen Spezifikation gelten; Token des höheren Typs können verschiedenen mikrophysikalischen Token entsprechen.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Szenario → Erkennung → Handlung → Folge: Ein Kognitionswissenschaftler identifiziert Fälle von „Schmerz“ bei verschiedenen Arten und technischen Systemen. Erkennung: Jeder Fall erfüllt die funktionalen Kriterien für Schmerz (nocifensive Reaktion, aversives Lernen). Handlung: Der Wissenschaftler modelliert Schmerz als Funktionszustand statt als spezifisches neuronales Muster. Folge: Das Modell sagt verhaltensmäßige Regelmäßigkeiten artübergreifend voraus und leitet Interventionen, die die Funktion und nicht die exakte Mikrostruktur adressieren.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Fehler: Aus der multiplen Realisierbarkeit folgern, es gebe keinerlei empirische oder kausale Zwänge zwischen den Ebenen. Warum plausibel: Verschiedene Realisierer deuten auf lockere Verbindungen hin. Semantischer Fehler: Multiplikation als willkürliche Unabhängigkeit auffassen, obwohl viele Realisierer durch nomologische, entwicklungsbedingte oder gestalterische Zwänge eingeschränkt sein können.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Erkenntnistheoretisch und methodologisch: stützt die Autonomie der Spezialwissenschaften und funktionaler Beschreibungen; ontologisch: schwächt Argumente für die Identifikation höherer Kategorien mit einzelnen mikrophysikalischen Kategorien; praktisch: lenkt Technik und vergleichende Forschung auf funktionale Kriterien.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Ausnahmen treten auf, wenn die Eigenschaft höherer Ebene explizit von spezifischer Mikrostruktur abhängt (z. B. eine chemische Eigenschaft, die durch molekulare Zusammensetzung bestimmt ist) oder wenn empirische Befunde zeigen, dass eine einzige mikrophysikalische Implementierung notwendig ist.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Klar innerhalb: funktionale Eigenschaften (z. B. rechnerische Rollen, mentale Zustände), die durch verschiedene Substrate realisiert werden. Randfall: oberflächlich ähnliche Verhaltensweisen, die durch homologe Strukturen im Gegensatz zu wirklich verschiedenen Mechanismen erzeugt werden. Klar außerhalb: intrinsische physikalische Eigenschaften, die durch Mikrostruktur definiert sind (z. B. Ordnungszahl).

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Spannung zur intertheoretischen Reduktion: Multiple Realisierbarkeit erschwert einfache Reduktionen, die eine eins‑zu‑eins Typ‑Identität zwischen Ebenen verlangen; sie konkurriert mit streng reduktionistischen Strategien, bleibt aber mit Reduktionen verträglich, die mehrere Realisierer zulassen.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Multiple Realisierbarkeit erlaubt es, höhere Kategorien als explanatorisch nützlich und teilweise autonom zu behandeln, während sie gleichzeitig verlangt, dass ihre Beziehung zu niederstufigen Systemen substantiell, empirisch eingegrenzt und nicht gleichbedeutend mit metaphysischer Unabhängigkeit ist.