Definition
Ein Bergungsverfahren, das leichte organische Makro- und Mikrorreste (verkohlte Samen, Holzkohle, kleine Knochen, andere leichte botanische/organische Fragmente) aus Bulk-Sedimentproben trennt, indem Material in Wasser (oder anderem Medium) aufgerührt wird, sodass auftriebsfähige Komponenten schwimmen und gesammelt werden können, während schwerere Fraktionen sinken und getrennt bearbeitet werden.
Prinzip
Prinzip
Differenzielle Auftriebskraft trennt organische von mineralischen Partikeln: weniger dichte organische bzw. verkohlte Materialien bleiben in Suspension oder schwimmen an die Oberfläche und können über Siebe abgeschöpft werden, wodurch eine leichte Fraktion mit organischem Material und eine schwere Fraktion für lithische/faunale Analysen entsteht.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario: Bodenproben aus einer Nutzungsphase werden im Labor im Eimer geflottet (Situation). Die Technikerin dekantiert das schwimmende Material durch ein feines Sieb und trocknet die gewonnene leichte Fraktion (Erkennung/Handlung). Die Analyse ergibt ein Assemblage verkohlter Samen, das Hinweise auf angebauten Kulturpflanzen liefert und Proben für die Radiokohlenstoffdatierung bereitstellt (Konsequenz).
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Zu erwarten, dass Flotation alle organischen Befunde wiederfindet oder dass das Fehlen organischer Reste in Flotationsproben das Fehlen am Fundort beweist. Der Fehler besteht darin, Erfassungs-Biases (Sieblinien, Probengröße, Taphonomie) außer Acht zu lassen und die bearbeiteten Fraktionen als vollständige Wiedergabe statt als Teilstichprobe zu behandeln.
Konsequenz
Konsequenz
Flotation erhöht die Gewinnung kleiner, leichter Organik, die für paläobotanische, diätetische, Brennstoff- und Datierungsstudien entscheidend ist; die Ergebnisse sind jedoch durch Probenahme, Siebauswahl und Erhaltungsbedingungen strukturiert, sodass Assemblagen als methodisch und taphonomisch geprägte Funde interpretiert werden müssen.
Umkehrung
Umkehrung
In wassergesättigten, salzhaltigen oder chemisch veränderten Sedimenten kann das Flotationsverhalten abweichen (z. B. Zerstörung empfindlicher Organik, veränderte Dichte) und alternative Verfahren wie Nasssiebung, chemische Präparate oder modifizierte Flotation sind erforderlich; dichte oder verkrustete Organica können zudem nicht aufschwimmen.
Abgrenzung
Abgrenzung
Eindeutig innerhalb: Laborflotation von Bulk-Sediment zur Gewinnung verkohlter Samen und kleiner Organika. Grenzfall: Nasssiebung zur Gewinnung kleiner Knochen oder Scherben — nützlich, aber nicht gleichwertig zur Flotation für mikrobotanische Befunde. Eindeutig außerhalb: Trockensiebung allein, die größere Artefakte erfasst, aber viele mikrobotanische Reste verfehlt.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Maximierung der Befundvollständigkeit (feine Siebe, große Proben) ↔ Zeit-, Kosten- und Erhaltungsbeschränkungen (Arbeitsaufwand im Labor, Repräsentativität). Intensive Flotation verbessert botanische Ausbeute, erhöht aber Laborzeit und kann ohne Standardisierung Selektionsbias einführen.
Synthese
Synthese
Flotation konzentriert gezielt leichte organische Reste aus Sedimenten und macht sonst unsichtbare botanische und einige faunale Evidenzen analysierbar; ihr wissenschaftlicher Wert beruht auf konsistenten Probenahmen, Siebwahl und transparenter Dokumentation methodischer Biases.