Definition
Ein stratigraphisches oder ablagerungsbedingtes Ereignis, bei dem ein späteres Merkmal, eine Ablagerung oder Material in frühere Ablagerungen eindringt, diese durchschneidet oder in sie eingeführt wird, wodurch frühere Kontexte verdrängt oder vermischt werden und sekundäre Assoziationen entstehen, die jünger sind als die umgebende Matrix.

Prinzip

Prinzip
Intrusionen führen jüngeres Material in ältere Kontexte ein (oder verdrängen älteres Material nach oben) und können somit falsche Gleichzeitigkeiten zwischen intrusivem Füllmaterial und umgebenden älteren Ablagerungen schaffen, sofern Schnitt‑ und Füllungsbeziehungen nicht identifiziert und unabhängig datiert werden.

Demonstration

Demonstration
Illustratives Szenario → Ein moderner Versorgungsgraben schneidet eine spätneolithische Nutzschicht und verfüllt diese, wodurch Plastik und neuzeitliche Keramik in darunterliegende Kontexte gelangen. Erkennen → Beobachtete Schnittkanten, stratigraphische Diskordanzen und eine Füllung mit modernen Artefakten werden dokumentiert. Handlung → Grabungsteams dokumentieren den Schnitt, schließen intrusives Füllmaterial von der Interpretation des in situ‑Kontextes aus und datieren prae‑intrusive Ablagerungen separat. Folge → Vermeidung falscher Assoziationen und Korrektur chronologischer Zuordnungen durch Trennung intrusiven Materials von versiegelten älteren Ablagerungen.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Anzunehmen, dass alle in einer stratigraphischen Einheit gefundenen Materialien mit der sie umgebenden Matrix gleichzeitig sind. Semantischer Fehler: Inhalte der Füllung mit dem Alter des Schnitts oder der umgebenden Ablagerung gleichzusetzen, statt die Intrusion als spätere Ereignis zu erkennen.

Konsequenz

Konsequenz
Das Übersehen von Intrusionen führt zu fehlerhaften funktionalen und chronologischen Zuordnungen (z. B. die Datierung älterer Strukturen anhand intrusiver Artefakte), fehlgeleiteten Konservierungs‑ oder Probennahmeentscheidungen und verzerrten Rekonstruktionen der Besiedlungsgeschichte; richtige Identifikation wahrt stratigraphische Integrität und verlangt gezielte Datierung von Schnitt und Füllung.

Umkehrung

Umkehrung
Vollständig versiegelte Intrusionen mit klaren Schnittbeziehungen sind leichter zu erkennen und verursachen seltener Fehldeutungen; kleine oder subtile Intrusionen, durch Bioturbation verursachte Eindringungen oder Nachlagerungen ohne klare Schnitte können dagegen kryptisch sein und Interpretation stören.

Abgrenzung

Abgrenzung
Klar innerhalb: eine Grube oder ein Graben, der ältere Schichten deutlich schneidet und eine Füllung mit jüngeren Artefakten enthält. Grenzfall: offensichtliche Wiederverlagerung älterer Fragmente in eine spätere Ablagerung (residuale Artefakte), bei der die Richtungalität nur durch Datierung oder Refitting festzustellen ist. Klar außerhalb: an der Oberfläche vermischte Fundstreu ohne durchdringenden Schnitt oder in situ‑Primärablagerungen, die nicht durch spätere Eindringungen gestört sind.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Integrität versus Störung: der Anspruch, primäre stratigraphische Assoziationen zu bewahren und zu interpretieren, steht der Realität postdepositionaler Prozesse gegenüber, die Intrusionen erzeugen; die Lösung liegt in sorgfältiger Dokumentation von Schnitten, Füllungen und relativer Stratigraphie.

Synthese

Synthese
Intrusionen sind als eigenständige stratigraphische Ereignisse zu behandeln: das Erkennen des Schnitts, die Dokumentation der Füllung und unabhängige Datierung jeder Komponente sind erforderlich, um jüngeres intrusives Material von älteren Kontexten zu trennen und falsche Assoziationen zu vermeiden.