Definition
Eine getrennte Notiz, Etikette oder Markierung an einem Primärtext, die erklärende, bibliographische, interpretative oder bewertende Informationen liefert, die vom verfassten Inhalt des Textes zu unterscheiden sind; Anmerkungen werden getrennt von der Originalformulierung aufgezeichnet und sollen das Verständnis, die Navigation oder die spätere Nutzung des Textes beeinflussen.
Prinzip
Prinzip
Indem ergänzende Informationen vom Originaltext getrennt werden, verändert die Annotation die Lektüre und Wiederverwendung des Textes, ohne dessen Urheberschaft oder wörtliche Reihenfolge zu verändern.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario → Situation: Eine wissenschaftliche Ausgabe bringt einen historischen Brief; Erkennung: Herausgeber kennzeichnen archaische Schreibweisen und identifizieren Personen in Marginalien; Handlung: Leser konsultieren die Anmerkungen beim Lesen; Folge: Leser erhalten Kontextinformationen und interpretative Hinweise, ohne dass die Edition den Wortlaut des Originals ändert.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Annotationen als Teil des verfassten Textes anzusehen (z. B. Randglossen als ursprüngliche Formulierung zu übernehmen); dieser Fehler verwischt Provenienz und kann dazu führen, Kommentar dem Autor zuzuschreiben.
Konsequenz
Konsequenz
Annotationen lenken Interpretation, ermöglichen Querverweise und unterstützen maschinelle Verarbeitung (Suche, Markup, Verlinkung); sie erzeugen zugleich die Verpflichtung, Provenienz zu dokumentieren und Originaltext von Kommentaren für Zitier-, Rechts- und Archivierungszwecke zu unterscheiden.
Umkehrung
Umkehrung
Wenn Annotationen ununterscheidbar in einen überlieferten Text eingebettet werden (z. B. schlecht getrennte redaktionelle Änderungen oder automatische Inline-Kommentare ohne Provenienz), bricht ihre Funktion als ergänzende Metadaten zusammen und sie können als veränderter Originaltext gelesen werden.
Abgrenzung
Abgrenzung
Clearly within: Marginalien mit Quellenangaben und Variantenlesarten; Boundary case: eckige Klammern im Text, die entweder als redaktionelle Einfügung oder als Modernisierung interpretiert werden können; Clearly outside: substanzielle Überarbeitung des Wortlauts, die den Originaltext ersetzt oder als solcher ausgibt.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Treue ↔ Nützlichkeit — die Pflicht, einen Originaltext unverändert zu bewahren, steht oft im Spannungsverhältnis zur Absicht der Annotation, den Text verständlich oder brauchbar zu machen.
Synthese
Synthese
Annotationen sind performative Metadaten: Sie erweitern nicht nur Information, sondern schaffen eine geschichtete Lektüre, die Textprovenienz bewahrt und gleichzeitig Interpretation und nachgelagerte Nutzungen formt.