Definition
Eine unbeabsichtigte Verdopplung beim Kopieren oder Abschreiben, bei der ein Zeichen, Wort, eine Wendung, Zeile oder Passage aus dem Vorbild im Abschriftstück zweimal (oder öfter) erscheint und so zu einer erweiterten oder repetitiven Lesart führt.
Prinzip
Prinzip
Kommt das Auge des Abschreibers zurück zu bereits Kopiertem oder wird eine marginale Notiz in den Text integriert, führt die motorische oder aufmerksamkeitsbedingte Wiederholung zur Duplikation: zusätzliches Material entsteht durch unbeabsichtigte Wiederholung desselben Quellsegments.
Demonstration
Demonstration
(Illustratives Szenario) Situation: Ein Abschreiber schreibt einen Satzteil und hält an, um die Marginalie zu prüfen; das Auge landet erneut auf demselben Satzteil. Erkennen: Der Abschreiber nimmt den Satzteil wieder als noch nicht kopiert wahr. Handlung: Der Satzteil wird ein zweites Mal geschrieben. Folge: Die Abschrift enthält den Satzteil doppelt und erzeugt eine längere Lesart, die Editoren als Dittographie sekundär gegenüber kürzeren Zeugen beurteilen können.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Jede doppelte Folge als Kopierfehler zu werten. Duplikation kann beabsichtigt sein (Betonung, Glosse, Interpolation); die Verwechslung von absichtlicher Wiederholung und Dittographie verkennt autoriale oder editorische Praxis.
Konsequenz
Konsequenz
Führt zu erweiterten Lesarten, kann syntaktische Ungeschicklichkeit oder doktrinelle Wiederholung erzeugen, beeinflusst die genealogischen Beziehungen zwischen Zeugen durch gemeinsame sekundäre Ergänzungen und kann Übersetzer oder Interpreten irritieren, die die Duplikation als autorial ansehen.
Umkehrung
Umkehrung
Kein Kopierfehler, wenn die Verdopplung nachweislich autorial ist, paratextuell (Rubrik, Refrain) oder das Ergebnis eines späteren Korrektors, der Texte bewusst harmonisiert; in mechanischen Druckverfahren mit Doppelabdrucksicherung ebenfalls unwahrscheinlicher.
Abgrenzung
Abgrenzung
Klar darunter: exakte Wiederholung eines zuvor kopierten Wortes, einer Phrase oder eines kurzen Abschnitts in einer manuellen Abschrift. Grenzfall: nahezu identische Wiederholung mit kleinen Variation, die Herkunft unsicher macht (Zierformen, Glossen). Klar außerhalb: beabsichtigter Refrain, nachträgliche editorische Einfügung oder Haplographie (Gegensatz).
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung zwischen textökonomischer Präferenz (Kürze als indikativ für Authentizität) und der Treue zu Zeugen mit Duplikationen; Herausgeber müssen abwägen, ob sie vermeintliche Fehler entfernen oder bewahren.
Synthese
Synthese
Dittographie kennzeichnet additive Überlieferungsfehler aus Aufmerksamkeits‑ oder Verfahrensmängeln; ihre Abgrenzung gegenüber bewusster Wiederholung oder späterer Interpolation ist zentral für die Textrekonstruktion.