Definition
Das Ausmaß, in dem ein behauptetes Ergebnis, eine Relation oder eine Folgerung unter angegebenen kontrafaktischen Veränderungen der Hintergrundbedingungen oder Interventionen fortbestehen würde; bewertet gegenüber einer explizit definierten Menge alternativer Szenarien und Annahmen.
Prinzip
Prinzip
Kontrafaktische Robustheit ist nur mit einer expliziten Festlegung relevanter Interventionen oder Hintergrundvariationen sinnvoll; Robustheit ist eine Relation zwischen einer Behauptung und einer Menge von Kontrafaktiken, nicht eine intrinsische Eigenschaft der Behauptung.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario: Die Behauptung «Programm P reduziert Rückfallraten» wird geprüft, indem man erwartete Ergebnisse unter zwei Kontrafaktiken vergleicht: (a) Einführung von P bei unveränderter Polizeipolitik, (b) Einführung von P während eines wirtschaftlichen Abschwungs. Hält die Reduktion in (a) aber kehrt sich in (b) um, ist die Behauptung gegen einige, nicht aber alle relevanten Kontrafaktiken robust und zeigt bedingte Stabilität.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Robustheit als absolut anzunehmen, indem man nur triviale oder irrelevante Störungen testet (z. B. minimale numerische Rauscheinflüsse) und dann allgemeine Stabilität behauptet; der Fehler besteht darin, relevante Hintergrundbedingungen nicht anzugeben oder zu variieren.
Konsequenz
Konsequenz
Hat eine Aussage gegenüber einer wohlbegründeten Menge von Alternativen hohe kontrafaktische Robustheit, so stützt das stärkere kausale oder politische Schlussfolgerungen und eine zuverlässigere Übertragbarkeit; geringe Robustheit zeigt Sensitivität und beschränkt die Generalisierbarkeit sowie leitet zur Untersuchung vermittelnder Bedingungen.
Umkehrung
Umkehrung
Sind zugrunde liegende Mechanismen nicht modular (Interventionen verändern den Mechanismus selbst) oder sind Kontrafaktiken wegen unbestimmter Abhängigkeiten nicht definiert, können Robustheitsurteile entfallen oder eine Umformulierung in modellrelativen Begriffen erfordern.
Abgrenzung
Abgrenzung
Klar innerhalb: kausale Aussagen, die an spezifizierte Interventionen und Hintergrundannahmen gebunden sind. Grenzfall: statistische Assoziationen, die unter einigen, aber nicht allen relevanten Interventionen geprüft werden. Klar außerhalb: rein beschreibende Korrelationen ohne kontrafaktischen oder interventionalen Rahmen.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung zwischen Breite (Robustheit über viele, unterschiedliche Kontrafaktiken) und Relevanz (Robustheit nur über die für die Behauptung wesentlichen Kontrafaktiken); das Eine zu erhöhen kann das Andere schmälern.
Synthese
Synthese
Kontrafaktische Robustheit stellt «Stabilität» als relationale, kontextabhängige Bewertung dar: Man muss festlegen, welche alternativen Welten wichtig sind und wie Mechanismen dort reagieren, um zu bestimmen, ob eine Behauptung zuverlässig erhalten bleibt.