Definition
Eine philosophische Lehre, die behauptet, dass volkspsychologische Kategorien (z. B. Überzeugungen, Wünsche, Absichten) theoretische Setzungen sind, die die kausale Struktur der Kognition systematisch fehl darstellen und daher zugunsten neurowissenschaftlicher oder sonstiger wissenschaftlich überlegener Beschreibungen verworfen werden sollten.
Prinzip
Prinzip
Wenn eine Klasse theoretischer Begriffe wiederholt keine bessere erklärende oder prognostische Leistung gegenüber konkurrierenden wissenschaftlichen Theorien erbringt, sind diese Begriffe Kandidaten für ontologische Eliminierung statt Revision.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario → Erkennen → Handlung → Folge: Ein Forschungsprogramm entwickelt ein neuronales Modell, das Verhaltensvariabilität und Interventionsergebnisse besser vorhersagt als Erklärungen in Begriffen von ‚Überzeugungen‘ und ‚Wünschen‘. Erkennt man die überlegene Erklärungskraft, formulieren Forschende Diagnostik und Interventionen in neuronalen Begriffen neu, und folk‑psychologische Kategorien werden in der Wissenschaftspraxis zurückgedrängt.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Fehlanwendung: Eliminativer Materialismus werde so gelesen, dass subjektive Erfahrung oder Ich‑Berichte nicht existierten. Warum das plausibel erscheint: Gegner verwechseln die Ablehnung einer theoretischen Ontologie mit der Leugnung beobachtbarer Phänomene. Präziser semantischer Fehler: Es geht um den ontologischen Status folk‑psychologischer Begriffe, nicht um das Vorhandensein von Empfindungen oder Berichten.
Konsequenz
Konsequenz
Die Annahme der Lehre richtet Erklärungsrahmen, Forschungsprioritäten und Terminologie neu aus: Klinische und wissenschaftliche Praxis kann mechanistische neurowissenschaftliche Beschreibungen über folk‑psychologischen Wortschatz stellen und so Forschungsmethoden und die Konzeptualisierung mentaler Phänomene verändern.
Umkehrung
Umkehrung
Einschränkung: Selbst wenn bestimmte folk‑psychologische Kategorien ontologisch innerhalb der Wissenschaft verworfen werden, können sie in Alltagssprache, Recht oder vorläufiger klinischer Einschätzung pragmatische oder heuristische Funktionen behalten; alternative philosophische Positionen (z. B. nicht‑reduktiver Physicalismus, Funktionalismus) lehnen eine vollständige Eliminierung ab.
Abgrenzung
Abgrenzung
Innerhalb: Aussagen über den ontologischen Status und die erklärende Angemessenheit folk‑psychologischer Kategorien. Grenzfall: Manche höherstufigen funktionalen Beschreibungen instrumentell als nützlich wiederaufnehmen, trotz theoretischer Revision. Außerhalb: allgemeiner metaphysischer Physicalismus oder empirische neurowissenschaftliche Befunde selbst (die Lehre betrifft begriffliche Ontologie, nicht unmittelbare empirische Ergebnisse).
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung mit der epistemischen und pragmatischen Nützlichkeit der Alltagspsychologie: erklärungstheoretische Strenge und ontologische Sparsamkeit ↔ kommunikative und normative Rollen folk‑psychologischer Begriffe.
Synthese
Synthese
Kernanliegen ist die analytische Unterscheidung zwischen dem ontologischen Status theoretischer Setzungen und der pragmatischen Nützlichkeit alltäglicher Sprache: Eliminationsaufrufe zielen auf erklärungstheoretisches Versagen der Begriffe, nicht notwendigerweise auf die Existenz subjektiver Berichte.