Definition
Der technische Prozess der Erstellung digitaler Surrogate physischer Objekte durch fotografische Aufnahme, Flachbett‑ oder Großformat‑Scanning oder andere Bildgebungsverfahren, begleitet von technischen und beschreibenden Metadaten, mit dem Ziel, den Zugang zu verbessern, die Dokumentation zu ermöglichen und konservatorische Arbeitsabläufe zu unterstützen, wobei anerkannt wird, dass ein Surrogat nicht mit dem physischen Original gleichzusetzen ist.
Prinzip
Prinzip
Digitalisierung zielt darauf ab, durch Kontrolle von Auflösungsgrad, Farbtreue, Beleuchtung, Maßstab und Metadatenerfassung möglichst getreue, reproduzierbare Darstellungen zu erzeugen; der Nutzen eines digitalen Surrogats hängt von Erfassungsqualität, Dateiformaten und Metadaten sowie von nachhaltigem digitalen Management ab.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario: Ein Archiv fotografiert Handschriften mit kalibriertem Licht und Farbreferenz, speichert hochauflösende Aufnahmen in verlustfreiem Format und erfasst Erstellungs‑ und Provenienzdaten. Folge: Forschende nutzen das Surrogat fern, die Originalhandhabung nimmt ab, und ein konservatorisches Masterfile steht für Ableitungen und Zugriffsvarianten zur Verfügung.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Die Annahme, Digitalisierung sei Erhaltung — z. B. Originale nach minderwertiger Erfassung entsorgen oder ein niedrig aufgelöstes Webbild als konservatorisches Surrogat gelten lassen. Der semantische Fehler ist die Gleichsetzung von Zugriffsdatei und Preservation‑Master sowie das Vernachlässigen von Metadaten und Speicherintegrität.
Konsequenz
Konsequenz
Richtig durchgeführt erhöht Digitalisierung den Zugang, verringert Handhabungsrisiken, dokumentiert den Zustand zum Zeitpunkt der Erfassung und ermöglicht Folgeanwendungen (Forschung, Reproduktion); schlechte Digitalisierung oder unzureichende digitale Langzeitverwaltung erzeugt irreführende oder unbrauchbare Surrogate und verursacht Kosten für Nacherfassung und Datenmanagement.
Umkehrung
Umkehrung
Digitalisierung kann ungeeignet oder unzureichend sein, wenn dreidimensionale Struktur, Transparenz, Materialeigenschaften oder multispektrale Informationen wesentlich sind und nicht durch die gewählte Methode erfasst werden können, oder wenn rechtliche, ethische oder kulturelle Restriktionen die Erstellung oder Verbreitung digitaler Surrogate verbieten.
Abgrenzung
Abgrenzung
Eindeutig innerhalb: hochauflösende, farbkalibrierte Erfassung einer Handschrift mit preservation‑tauglichen Dateien und Metadaten. Grenzfall: eine Smartphone‑Fotografie für schnelleren Zugriff, nicht für Erhaltungszwecke. Eindeutig außerhalb: born‑digital Werke, die ursprünglich digital entstanden sind, sind keine 'Digitalisierung' eines physischen Objekts.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Zugang/Offenheit ↔ Authentizität/Vollständigkeit/Betreuung — Zugangsziele können mit Anforderungen an Treue, Rechten und den Ressourcen für langfristige digitale Bewahrung in Konflikt geraten.
Synthese
Synthese
Digitalisierung ist eine kuratorische und technische Entscheidung, die zwischen Treue, Kosten und Zugang abwägt; ihr Nutzen hängt von festgelegten Erfassungsstandards und nachhaltigem digitalen Management ab und ergänzt, ersetzt aber nicht die physische Konservierung.