Definition
Eine quantitative Eigenschaft einer archäologischen Assemblage, die Taxon‑Reichtum (Anzahl unterschiedlicher Artefaktkategorien) und Evenness (relative Häufigkeiten dieser Kategorien) kombiniert, um anzugeben, wie vielfältig und gleichmäßig Artefakttypen innerhalb einer definierten Probeneinheit vertreten sind.

Prinzip

Prinzip
Assemblage‑Diversität wird durch die Kombination von Kategorienreichtum und relativer Häufigkeit bestimmt; Unterschiede können auf Variation in vergangenen Aktivitäten, Ablagerungsdauer oder ‑intensität, post‑depositionelle Durchmischung oder auf Unterschiede in Probennahme und Klassifikation hinweisen.

Demonstration

Demonstration
Illustratives Szenario: Zwei 1‑m²‑Schnitte liefern je 100 Artefakte. Schnitt A enthält 10 Artefakttypen mit annährend gleichen Häufigkeiten; Schnitt B enthält ebenfalls 10 Typen, wobei ein Typ 80 % ausmacht. Nur der Reichtum würde beide Schnitte gleichsetzen; ein kombinierter Reichtums‑und‑Evenness‑Index zeigt jedoch eine höhere Diversität in A, was auf eine breitere oder gleichmäßigere Aktivitätsverteilung hindeutet.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Rohzählungen ohne Kontrolle von Stichprobengröße, Bergungsmethode oder Klassifikationsauflösung (Zusammenfassen vs. Aufsplitten) als direkt vergleichbar zu behandeln, führt zu verzerrten Diversitätsschätzungen; scheinbare Unterschiede können methodisch bedingt sein.

Konsequenz

Konsequenz
Bei korrekter Anwendung mit dokumentierter Probennahme und Klassifikation liefert Assemblage‑Diversität nützliche Informationen zu Aktivitätsspektrum, Funktion oder Bildungsverhältnissen; bei Fehlgebrauch kann sie zu falschen Interpretationen und fehlgeleiteten Untersuchungen führen.

Umkehrung

Umkehrung
Bei sehr geringen Stichprobengrößen, stark fragmentierten Assemblagen oder unterschiedlichen Bergungsmethoden verlieren Diversitätsmetriken ihre Aussagekraft und können Stichprobenrauschen widerspiegeln; außerdem kann ein spezialisiertes Nutzungsareal geringe Diversität aufweisen, obwohl es intensiv genutzt wurde.

Abgrenzung

Abgrenzung
Klar innerhalb: eine stratigraphische Einheit mit verfügbaren Artefaktzählungen und einem definierten Klassifikationsschema sowie dokumentierten Probennahmemethoden. Grenzfall: zwei benachbarte Spuren mit unterschiedlichen Bergungspraktiken, deren Interpretation Anpassungen für Bergungsbias erfordert. Klar außerhalb: eine qualitative Behauptung, ein Fundort sei "divers", ohne Zählungen, Kategorien oder Methodendokumentation.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Spannung zwischen der Interpretation von Diversität als Indikator vergangener Verhaltenskomplexität (Signal) und ihrer Interpretation als Produkt von Stichprobenverfahren, Klassifikation und post‑depositionalen Prozessen (Rauschen); die Lösung erfordert methodische Transparenz und zusätzliche Befunde.

Synthese

Synthese
Assemblage‑Diversität ist ein stichproben‑ und methodenabhängiges Maß: Sie kann bedeutende Unterschiede in Verhalten oder Bildungsverhältnissen signalisieren, aber nur dann, wenn Messung und Interpretation mit konsistenten Protokollen und ergänzenden taphonomischen Informationen erfolgen.