Definition
Ein systematisches Kodierungsverfahren (ursprünglich vom Pragglejaz‑Kollektiv als MIP formalisiert), das lexikalische Einheiten als metaphorisch identifiziert, indem es die kontextuelle Bedeutung einer Einheit mit ihrer grundsätzlicheren, konkreten Bedeutung vergleicht und Fälle markiert, in denen die kontextuelle Bedeutung kontrastiert, sich jedoch in Begriffen der grundsätzlichen Bedeutung verstehen lässt.
Prinzip
Prinzip
Die Operationalisierung der Metaphernerkennung als Vergleich zwischen Kontext‑ und Grundbedeutung reduziert subjektive Varianz zwischen Annotatoren durch eine schrittweise Entscheidungsregel, die auf Bedeutungsunterschied und mögliche Übertragung abzielt.
Demonstration
Demonstration
Illustratives Szenario → Analysten wenden die Prozedur auf den Satz ‚He burst her bubble‘ an (Situation). Sie ermitteln die kontextuelle Bedeutung von ‚burst‘ und deren physische Grundbedeutung, notieren den Kontrast und die konzeptuelle Übertragung (Erkennung). Analysten kennzeichnen ‚burst‘ hier als metaphorische Verwendung (Handlung). Ergebnis: ein kodiertes Token, das für Korpusanalyse nutzbar ist (Konsequenz).
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Das MIP‑Label als interpretative Analyse der metaphorischen Abbildung oder kulturellen Bedeutung zu verwenden statt als binäre Identifikation; dadurch wird Erkennung (ist dies metaphorisch?) mit Interpretation (was bedeutet es?) verwechselt.
Konsequenz
Konsequenz
MIP ermöglicht reproduzierbare Annotationen metaphorischer Sprache und unterstützt quantitative sowie vergleichende Studien; seine Fokussierung auf lexikalische Einheiten kann jedoch mehrwortige Metaphern, pragmatische Ironie oder kulturspezifische figurative Verwendungen übersehen, sofern keine ergänzenden Regeln vorliegen.
Umkehrung
Umkehrung
In Sprachen oder Genres, in denen lexikalische Bedeutung stark kontextabhängig ist oder Metapher überwiegend durch Konstruktionen statt einzelne Wörter wirkt (z. B. feste Idiome), kann das standardmäßige MIP Metaphern untererfassen ohne Anpassung.
Abgrenzung
Abgrenzung
Klar innerhalb: Token‑ebene Kodierung einzelner lexikalischer Einheiten nach MIP‑Schritten; Grenzfall: mehrwortige Ausdrücke, bei denen Metaphorik aus der Phrasenstruktur entsteht; Klar außerhalb: umfassende interpretative Metapheranalysen, die Mapping, Quell‑/Zieldomänen und pragmatische Effekte ausarbeiten.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Reliabilität ↔ Interpretative Tiefe — MIP erhöht die Interannotator‑Reliabilität bei der Identifikation metaphorischer Tokens, abstrahiert dabei jedoch von der tieferen interpretativen Arbeit, die Funktion und kulturelle Nuancen erklärt.
Synthese
Synthese
MIP ist ein pragmatisches, auf Reliabilität ausgerichtetes Werkzeug, das die Erkennung metaphorischer Sprache von nachfolgender Interpretation trennt: notwendiger erster Schritt für groß angelegte Korpusanalyse, zu ergänzen durch interpretative Methoden, wenn Bedeutung oder Funktion untersucht werden sollen.